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Ein Teil dieses Blogs ist erschienen in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz, 08.12.2014, 16.
Wir alle kennen die Sehnsucht: Das Ziehen in der Brust, das heftige und schmerzliche Verlangen nach etwas Unerfüllbarem – aber auch das Schwelgen in der Vorstellung vom grossen Glück. Sehnsucht ist eine Quelle von Lebendigkeit, aber auch ein Grund für masslose Enttäuschungen, wenn sie nicht erfüllt wird. Das beste Beispiel für die Sehnsucht als bittersüsse Zwiespältigkeit ist das Weihnachtsfest, das Fest der Liebe, der Geborgenheit und Besinnlichkeit. Ist es dann da, sieht die Realität oft anders aus, und man ist bitter enttäuscht, wenn der Haussegen wieder schief hängt. Deshalb gehört das Bedauern zur Sehnsucht wie der Schatten zum Licht.
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Tatsache ist: Viele Kinder gehen heute ins Gymnasium, die vor 15 Jahren noch eine Berufslehre gemacht hätten. Tatsache ist auch, dass fast 100% der Kinder aus Akademikerfamilien eine Matura machen, der Anteil derjenigen aus Arbeiter- und benachteiligten Migrantenfamilien jedoch nach wie vor nicht mehr als 20% bis 30% beträgt und in den letzten zwanzig Jahren kaum gestiegen ist. Das bedeutet, dass die oft geforderte Chancengleichheit vor allem eine ist, die gut situiert aufwachsende Kinder begünstigt. Solche Kinder finden den Weg viel einfacher ins Gymnasium, auch wenn sie gar nicht besonders intelligent sind. Genau dies hat Elsbeth Stern letztlich aufgezeigt*, als sie im Tagesanzeiger von ihren Studien berichtet hat, wonach der durchschnittliche IQ in Zürcher Gymnasien nur 112 Punkte beträgt, diese jedoch zu einem grossen Teil von «bildungsnahen» Kindern besucht würden.
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erschienen in: NZZ am Sonntag, 26.10.2014, S. 21
Würden wir Frauen wie Männer funktionieren, ginge es der Wirtschaft besser. So zumindest kann man verschiedene Schlagzeilen interpretieren, welche in letzter Zeit Furore gemacht haben. Die neuste ist die von letzter Woche zum Einfrieren weiblicher Eizellen. Dieses «Social Freezing», auch als «Gefrierprämie» bezeichnet, bieten Facebook und Apple ihren Mitarbeiterinnen an, damit sie im besten Alter nicht Kinder bekommen und dadurch den Betrieb vor grosse Herausforderungen stellen. Einige Wochen zuvor hatten die 50‘000 studierten Hausfrauen Schlagzeile gemacht, die in der Schweiz am Herd stehen anstatt im Beruf. Und vor zwei Wochen hiess es sogar, dass diese Frauen dem Staat die Studienkosten zurückzahlen müssten, wenn sie nicht arbeiten gehen würden.
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erschienen in der Aargauer Zeitung/Nordwestschweiz unter dem Titel "Weg von der Defizitperspektive", 14.10., 18.
Haben Sie einen Ihnen nahestehenden Menschen verloren und trauern Sie nun schon mehr als ein Jahr um ihn? Stehen Sie manchmal vor dem Kühlschrank und bekommen eine Heisshungerattacke? Oder sind Sie Eltern eines Kindergärtlers, der noch keine zwanzig Minuten stillsitzen kann? Falls ja, dann sind dies alles ‚Störungen‘, die Sie behandeln oder therapieren lassen sollten. So zumindest ist der Trend des psychiatrischen Diagnosesystems DSM-5. Demnach hat jeder dritte Erwachsene heute irgendwelche Störung. Mehr als die Hälfte der Schulkinder werden in Therapien oder Alternativtherapien behandelt. In der Schweiz leben somit mehr kranke als gesunde Kinder. Warum gibt uns dies eigentlich nicht mehr zu denken? Unsere Kinder und Jugendlichen sind nämlich nicht gestörter als früher. Was sich verändert hat, sind die Etiketten. Es werden immer mehr Varianten des Normalen als pathologisch erklärt. Fast scheint es, dass unser Nachwuchs von unserer Therapiegesellschaft krank gemacht wird.
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In der Schweiz war es lange Zeit verpönt, von Elite zu sprechen. Ich erinnere mich gut, als ich in den 1990er Jahren meine Dissertation zum Thema Hochbegabung schrieb und meine Anfrage von den Kantonen – was sie denn für hochbegabte Schüler tun würden – regelmässig mit der Rückmeldung beantwortet wurde: «Wir danken Ihnen für Ihre Anfrage, aber leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir in unserem Kanton keine Hochbegabten haben.» Es erstaunt somit kaum, dass es weder im Schul- noch im Hochschulbereich lange Zeit kaum Institutionen gab, welche die Elite respektive die Exzellenz förderten. Die Schweizer Studienstiftung für begabte junge Menschen wurde beispielsweise erst 1991 gegründet.
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Haben Sie kürzlich neue Jeans gekauft? Vielleicht die nächsten Ferien mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner geplant? Oder sich einen Kinderwagen angeschafft? Dann können Sie an der Art und Weise, wie Sie zu diesem Entscheid gekommen sind, erkennen, ob Sie im intuitiven Handeln stark oder eher schwach sind und damit auch, wie viel «Praktische Intelligenz» Sie besitzen. Denn in der Forschung gilt Intuition – auch gesunder Menschenverstand, Bauchgefühl, stilles Wissen genannt – als das zentrale Merkmal von praktischer Intelligenz. Entweder gehören Sie den so genannten «Maximizers» oder zu den «Satisficers» (*Gigerenzer, 2008).
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Alle Welt spricht von Potenzial. So soll das Potenzial unserer Kleinsten entwickelt und gefördert, das Potenzial von Talenten in der Berufsbildung genutzt oder auch an Hochschulen das Potenzial des Forschernachwuchses besser entfaltet werden. Erkannt haben wir inzwischen auch das Potenzial von älteren Menschen und dasjenige von Migrantinnen und Migranten.
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erschienen in: Aargauer Zeitung, Die Nordwestschweiz, 11.08.2014
Es ist eigenartig: Die Schweizer Berufsbildung geniesst einen ausgesprochen guten Ruf, doch gehen ihr langsam die Lehrlinge aus. Noch 2007 hätte man sich nicht vorstellen können, dass viele Betriebe sieben Jahre später in bestimmten Berufen händeringend junge Menschen für eine Berufsausbildung suchen. Die Forderung des Gewerbes nach einem Umdenken in der Bildungspolitik ist deshalb nur zu unterstützen. Zwar tun Bund und Kantone mit gezielten Kampagnen ausgesprochen viel. Auch viele Betriebe haben entdeckt, dass sie sich stärker um potenzielle Auszubildende bemühen müssen. Der Erfolg ist trotzdem bescheiden geblieben.
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Warum bekommt man heute Kinder? Um dem Leben einen Sinn zu geben, um Liebe zu schenken und sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen. So antwortet zumindest in unseren Forschungsstudien ein Großteil der Eltern oder solche, die es werden wollen. Elternliebe gilt als einmalig und unvergleichlich. Auch der Schriftsteller Jean Paul hat einmal gesagt, mit einer Kindheit voll Liebe könne man ein halbes Leben lang in der kalten Welt auskommen. Tatsächlich ist die Liebe zwischen Eltern und Kind für die fundamentale Ausgestaltung des Lebens etwas Grundlegendes. Zwar entspricht sie nicht dem ‚coup de foudre’, der Liebe auf den ersten Blick, den die Franzosen ‚Blitzschlag‘ nennen. Doch gilt sie als größer, inniger und zarter. Aber nicht nur die Liebe, sondern auch die Verantwortung gegenüber dem Kind schreiben heutige Eltern groß: 62% der 35- bis 42-jährigen meinen, dass Eltern ihr eigenes Leben hinter dasjenige des Kindes stellen sollten. Diese Aufopferungspflicht ist international. Sie gipfelt darin, dass Kinder heute zu genau geplanten Lebenswerken geworden sind. Wenn Männer und Frauen Eltern werden, dann erträumen sie ihr Elternglück in vielen Farben, und eines steht fest: Das Kind soll etwas Besonderes werden, das alles überstrahlt. Das Ziel ist das perfekte Kind, und perfekte Kinder brauchen perfekte Eltern. Derartiges Streben kann jedoch problematische Folgen für die Kinder haben. Dafür sind jedoch kaum die Väter und Mütter verantwortlich, sondern in erster Linie ist es unsere Gesellschaft.
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Unglaublich, aber wahr: In der beruflichen Grundbildung dominierte vor ein paar Jahren die Jugendarbeitslosigkeit und die mit ihr verbundenen fehlenden Zukunftsperspektiven unserer Jugendlichen. Heute hat sich die Situation diametral verändert. Der Mangel an Ausbildungsplätzen ist einem Mangel an qualifizierten Bewerberinnen und Bewerbern gewichen: Aus dem Lehrstellenmangel ist ein Lehrlingsmangel geworden (Stamm, 2013). In diesem Zusammenhang wurde bisher wenig diskutiert, dass dadurch auch die betriebliche Nachwuchssicherung und das unternehmerische Wachstum gefährdet sind. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels dürfte sich diese Situation weiter verschärfen.
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«Mein Sohn Damian ist mein bester Freund.» Dies war die Antwort von Sylvie Meis (ehemals van der Vaart) in der deutschen BILD-Zeitung auf die Frage, was ihr denn in der schweren Zeit nach der Trennung von ihrem Ehemann, dem Profi-Fussballer Rafael van der Vaart, Kraft gäbe. Sylvie Meis hat damit vielen aus dem Herzen gesprochen: Partner kommen und gehen, das jedoch Kind bleibt. Deshalb setzen viele Eltern auf eine partnerschaftliche Erziehung.
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Vor ein paar Wochen hat an den Universitäten die lang ersehnte «vorlesungsfreie Zeit» begonnen. Statistisch gesehen wird jeder vierte Student und jede vierte Studentin im Herbstsemester das Studium an den Nagel gehängt haben. «Dropouts» nennt man diese 28.1%, für die dies aktuell der Fall ist. So lauten zumindest die Ergebnisse einer Studie von Stefan Wolter und seinem Team, welche 2013 unter dem Titel «Studienabbrüche an Schweizer Universitäten»* erschienen ist. Interessant ist dabei, dass die Ergebnisse praktisch identisch sind mit jenen ausländischer Studien**.
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Kürzlich war ich an einer ergreifenden Trauerfeier einer mir nahe stehenden Person. Irritiert hat mich dabei, dass in der Kirche sowohl zur Linken als auch zur Rechten verschiedentlich das Smartphone gezückt wurde, offenbar um SMS zu verschicken. Fast zur selben Zeit hat der Medienwissenschaftler Philippe Wampfler einen Blog zu Smartphone-süchtigen Müttern* veröffentlicht, als Replik auf einen Mama-Blog im Tagesanzeiger. Sein differenzierter Beitrag kommt zum Schluss, Mütter würden zu Unrecht kritisiert, dass die Nutzung von Handys von sozial wichtigen Aktivitäten – u.a. der Kommunikation mit den Kindern – ablenken würde. Er verweist zu Recht darauf, dass das Leben der Mütter heute komplexer sei und Zeit zu haben für viele einen Luxus bedeute. Deshalb sei die digitale Kommunikation oft eine effizientere und deshalb ein Muss für diejenigen, welche sich nicht leisten könnten, mit Freunden einen Kaffee trinken zu gehen.
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Ich selbst gehöre zu denjenigen, die einmal Nachhilfe, gekriegt haben und zwar in Mathematik unmittelbar vor der Aufnahmeprüfungen ins damalige Lehrerseminar. Und Sie? Verschiedene von Ihnen müssten diese Frage eigentlich mit ja beantworten können. Denn laut Statistik bekommen etwa drei von 10 Jugendlichen Nachhilfe. Zu diesem Schluss sind zwei neue Studien von Stefanie Hof und Stefan Wolter (2012*) sowie von Hans-Ulrich Grunder (2013**) gekommen. Offenbar reicht der normale Unterricht für viele Schulkinder nicht aus, weil sie von unserem Bildungssystem überfordert werden. Das stimmt allerdings nicht ganz, denn erstaunlicherweise stecken meist nicht etwa eine drohende Klassenwiederholung und schlechte Schulnoten dahinter. Vielmehr geht es oft um prophylaktische Massnahmen, um eine Art Lerndoping ehrgeiziger Eltern, welche auf diese Weise die Schulnoten ihrer Kinder optimieren und ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen wollen, damit sie im Konkurrenzkampf bestehen respektive die Aufnahmeprüfung ins oder den Verbleib im Gymnasium schaffen.
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Ich erinnere mich noch gut, wie ich mich als Mädchen an den Familiensonntagen enorm langweilte: am Morgen in die Sonntagschule, beim immer gleichen Mittagessen mit Schnitzel, Pommes Frites und Ananas aus der Dose und dann bei einem Spaziergang an der Aare, wohlverstanden in den «Sonntagskleidern», die keinesfalls schmutzig werden durften.
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Vielleicht gehen die letzten zehn Jahre als Dekade der «neuen Väter» in die Geschichtsbücher ein. Alle Welt spricht heute von ihnen als den aktiven und engagierten Männern. Auch die Familienpolitik hat sie entdeckt, man denke nur an die jüngsten Diskussionen um den Vaterschaftsurlaub.
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Für immer mehr Berufsausbildungen braucht es eine Matura, z.B. um Kindergärtnerin oder Pflegefachmann zu werden. Viele internationale Unternehmen wollen nur noch Leute mit einem Hochschulabschluss einstellen. Die Schweiz braucht mehr akademische Power! Tatsächlich?
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Janet Yellen ist seit dem 1. Februar 2014 die erste Frau, welche der mächtigsten Notenbank der Welt, dem Federal Reserve Board (Fed) vorsteht. Geboren am 13. August 1946 war sie zu diesem Zeitpunkt genau 67.6 Jahre alt. Zwei Jahre nach dem offiziellen Pensionierungsalter schlägt sie das wichtigste Kapitel ihrer Laufbahn auf.
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Am 21. Januar 2014 diskutierten wir in der Arena**** der Swiss Bau in Basel unter dem Titel «Wer baut die Schweiz von morgen?» die Frage, wo die Gründe für den Mangel an Nachwuchskräften liegen. Und auch am 13. Februar 2014 haben wir im Rahmen des Laufenburger Gesprächs zum Lehrlingsmangel, das von der Technischen Rundschau organisiert worden ist (http://www.technische-rundschau.ch), die Aussage «Ohne Nachwuchs keine Swissness» unter die Lupe genommen. Dabei sind wir jeweils schnell auf zwei Aspekte gestossen: erstens auf die Bedeutung des Images oder Prestiges, das Jugendliche einem Beruf zuschreiben und zweitens auf die Rolle von Berufsbezeichnungen. Solche Aspekte möchte ich in diesem Blog vertiefen. Meine These ist dabei die, dass der Imagefaktor bei der Berufswahl heutiger Jugendlicher wichtiger ist als die Tätigkeit an sich.
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Erschienen in: NZZ, 5. Februar 2014, S. 21
In letzter Zeit berichten Kindergartenlehrkräfte immer wieder von eigenartigen Erfahrungen: Sie müssen zunehmend Kinder unterrichten, die kaum Deutsch können und auch einfache Fragen nicht verstehen. Viele dieser Kleinen haben jedoch vorher eine Krippe, eine Spielgruppe oder ein gezieltes Förderprogramm besucht, oft zusammen mit ihren Müttern.
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- Margrit Stamm
Schon lange ist bekannt, dass Kinder mit Migrationshintergrund schlechtere Schulleistungen erbringen als einheimische Kinder und dass diese Unterschiede, vor allem in den sprachlichen und sozialen Kompetenzen, bereits beim Eintritt in den Kindergarten deutlich sichtbar werden. Darauf verweisen viele Studien. Eine Konsequenz aus diesen empirischen Tatsachen war und ist, dass solche Kinder in sprachlich ausgerichteten Gruppen, in Sprachförderprogrammen oder in anderen Massnahmen gezielt gefördert werden. Bund, Kantone und Gemeinden geben hierfür viel Geld aus.
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