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- Margrit Stamm
erschienen im Blick, 05.01.2022
Anzahl Tests und positive Fälle, Impfraten, Hospitalisationen, Todesfälle. Das sind die vier grossen Krisenindikatoren, die uns täglich übermittelt werden und uns leer schlucken lassen. Ganz besonders gilt dies für die neuesten Berichte zur dramatischen Situation in Spitälern wegen bevorstehenden Triagen und der Überlastung des Personals.
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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 10.12.2021, 2.
«Try again. Fail again. Fail better.» Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern. Scheitern ist unumgänglich, und die Kunst besteht darin, nicht aufzugeben. Diese geflügelten Worte von Samuel Beckett spiegeln sich in manchen Lebenshilfebüchern wie «Die Kunst des Scheiterns». Sie richten sich an Menschen, die im Management tätig sind oder auch an Otto Normalverbraucher. Doch Scheitern in Schule und Ausbildung? In unserer Optimierungsgesellschaft ist das ein Tabu.
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- Margrit Stamm
erschienen im Nebelspalter, 17.11.2021
Knaben sind die Sorgenkinder des Bildungssystems. Schon im Kindergarten kommen ihre Bedürfnisse zu kurz. Auch in der Primarschule werden Mädchen von den überwiegend weiblichen Lehrkräften bevorzugt. Sie ignorieren die Anliegen und Eigenarten der Knaben weitgehend. Wird diese Entwicklung nicht gestoppt, wächst eine Generation von männlichen Bildungsversagern heran. Soweit die verbreitete Meinung.
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- Margrit Stamm
erschienen in Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 27.09.2021, 4.
Elitär, exklusiv, käuflich, sagen die Gegner – innovativ, leistungsförderlich, individualisiert die Befürworter. Privatschulen bringen uns in Wallung, spätestens dann, wenn eine Sozialdemokratin ihr Kind in ein privates Gymnasium schickt oder irgendwo am Zürichsee eine Schule mit einem «International» im Namen öffnet.
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- Margrit Stamm
erschienen im Nebelspalter, 21.09.2021
Wer als Kind Masern oder Mumps gehabt hat oder sie aus den Erfahrungen mit eigenen Kindern kennt, weiss, was eine «richtige» Kinderkrankheit ist. Heute heissen Kinderkrankheiten eher Wahrnehmungs-, Entwicklungs- oder Sprachstörungen. Glücklicherweise verfügen wir heute über eine schnell wachsende Zahl von Forschungsergebnissen, welche die Bedeutung der frühkindlichen Diagnostik und Förderung unterstreicht. Auch in der Fachwelt ist das Bewusstsein über die Bedeutung von Gesundheitsförderung und Prävention in der ersten Lebensphase und ihre positiven Auswirkungen auf den weiteren Lebensverlauf massiv gestiegen. Schon Friedrich Fröbel, der Begründer des Kindergartens, hat betont, dass man bei der Bildung im Kindergarten nicht ohne erziehende Beachtung des Wachstums des Kindes auskommt und Fachkräfte an den beim Kind beobachteten Gesetzmäßigkeiten ansetzen müssen.
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- Margrit Stamm
Berufstätige Mütter mit kleinen Kindern und das Kind fremd betreuen lassen: die Meinungen sind nach wie vor mehr als gespalten. Oft wird befürchtet, dass mütterliche Berufstätigkeit und Fremdplatzierung der Kinder die Erziehungsfunktion der Familie untergraben und das Kind Schaden nehmen kann. Väter bleiben eigenartigerweise aussen vor. Während Frauen schnell als Rabenmütter gelten, werden Väter, die am Freitag zu Hause Windeln wechseln und zu den Kindern schauen, zu Superpapis. An Mütter werden ganz andere Erwartungen gestellt. Sie sollen sich hingebungsvoll um Familie und Kind kümmern, ein abwechslungsreiches Familienleben organisieren und dem Mann Partnerin und Geliebte sein – und darüber hinaus auch beruflich weiterkommen.
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- Margrit Stamm
erschienen in Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 12.07.2021, 2.
Die Mama stöckelt mit ihrer Teenie-Tochter im gleichen Minirock zum Shoppen. Derweil konkurrenzieren sich Sohn und Vater im Fitnesscenter beim Gewichte stemmen. Der Arzt hat ihm gesagt, er könne bei gutem Training noch mindestens zwanzig Jahre wie vierzig wirken. Ist solches Verhalten cool?
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erschienen in der NZZ, 28.05.2021
Mama und Papa sind die überehrgeizigen Schuldigen, welche ihren Nachwuchs ins Gymnasium pushen und um jeden Preis seine Leistungsfähigkeit maximieren wollen. Deshalb schleifen sie ihn so lange, bis er ihren Vorstellungen entspricht.
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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 11.05. 2021, 2.
Cabrio oder Mobility, Bach oder Bushido, Tätowierungen oder unverzierte Haut? Man ist nicht nur, was man auf der UBS oder der CS hat, sondern wie man sich gibt. Für Gottfried Keller war es in der Novelle «Die Leute aus Seldwyla» klar, dass es die Kleider sind, die Leute machen.
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erschienen in Nebelspalter, 06.05.2021
Vor gut einem Jahr, am 16. März 2020, ist alles anders geworden. Das bisherige Leben verschwand für uns alle. Die Schweiz ging erstmals in den Lockdown, alle Schulen, Hochschulen, Berufsfachschulen und anderen Institutionen mussten schliessen und auf Fernunterricht umstellen. Mehrheitlich unverhofft wurden sie in die digitalisierte Bildungswelt hineinkatapultiert. Schon im Sommer schien aufgrund mehrerer Studien klar, dass die Pandemie manche Schwächen und Ungerechtigkeiten in den Schulen offenlegt. Fehlende Laptops, schwaches W-Lan und deshalb abgehängte Schülerinnen und Schüler, die kein eigenes Zimmer zum Arbeiten haben oder Eltern, die nicht als Aushilfslehrer funktionieren konnten. Der Begriff «Lost» wurde geboren, dazu gehören etwa 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen.
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- Margrit Stamm
TEIL I des Essays im Folio der NZZ, 03.05.2021, S. 58-61
Es muss nicht jeder und jede ins Gymnasium, manche wären in einer Berufslehre besser aufgehoben. Die Berufsbildung braucht dringend leistungsstarke Jugendliche! Diese Argumentation ist richtig, doch gilt sie vor allem für solche mit praxisorientierten Begabungen, die sich weniger für akademische Inhalte begeistern können oder die Matura nur mit Ach und Krach hinkriegen. Umgekehrtes trifft für eine nahezu vergessene Gruppe zu: Intellektuell begabte und interessierte Kinder aus Arbeiter- und einfachen Migrantenfamilien schaffen viel zu selten den Bildungsaufstieg ins Gymnasium. Solche Minoritäten hätten zwar das Potenzial für den Übertritt, bekommen aber keine angemessene Gelegenheit dazu. Empirische Daten machen dies mehr als deutlich. Haben die Eltern studiert, tun dies 88 Prozent der Kinder auch, aus Arbeiterfamilien schafft es hingegen nur knapp jedes vierte Kind (24 Prozent). Und für gerade mal vier Prozent trifft dies zu, wenn der Vater keinen Bildungsabschluss hat. Der Zustrom zur Akademia nährt sich somit immer noch vor allem vom Nachwuchs gut situierter Familien.
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TEIL II des Essays im Folio der NZZ, 03.05.2021, S. 58-61
Noten als Aufstiegsbedingung Nummer eins
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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 02.12.2020, 2
Wer Hebamme werden will, braucht eine Matura. Viele internationale Unternehmen wollen nur noch Leute mit einem Hochschulabschluss einstellen. Die Schweiz braucht mehr akademische Power! Dies ist zumindest der gegenwärtige Entwicklungstrend.
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- Margrit Stamm
erschienen in Nebelspalter, 18.03.2021 (Abo)
Gerade mal vier Jahre als sind die Kleinen, wenn die Schulpflicht ruft und sie zum ersten mit Mal mit Leuchtstreifen und Umhängetasche den Weg in den obligatorischen Bildungsraum antreten sollen. So steht es im Harmos-Konkordat, wobei nicht von kleinen Kindern, sondern von «Schülerinnen und Schülern» gesprochen wird und mit «eingeschult» der Kindergarten gemeint ist. Dieser bahnbrechende Entscheid hat vor zehn Jahren hohe Wellen geworfen, und er tut es auch heute noch. Von Verschulung des Kindergartens ist die Rede, dass der Ernst des Lebens nach vorn geschoben und den Kleinen eine wichtige Zeit ihrer Kindheit ohne Schulstress rauben würde.
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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 22.02.2021, 2.
Die Corona-Krise bringt es an den Tag: Die Hauptlast der Familienarbeit liegt auf den Müttern, während Väter die Brotverdiener bleiben. Die Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern ist traditioneller denn je.
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erschienen im SonntagsBlick, 24.01.2021, S. 16-17.
«Lost» ist das Jugendwort des Jahres 2020. Die Pandemie trifft junge Menschen besonders hart, sowohl Lehrlinge als auch Studienanfänger. Ihr Alltag hat sich mit Fernunterricht, Isolation, Quarantäne und prekären Ausbildungsbedingungen drastisch verändert. Sie fühlen sich verloren und bangen um ihre Zukunftsaussichten. Manche haben den Eindruck, vor verschlossenen Türen zu stehen. Ironischerweise traf Alain Berset mit seiner Aussage vom 5. Januar «Die Jugend zahlt einen hohen Preis in dieser Krise» den Nagel auf den Kopf. Doch seine Aussage wirkt so, als ob diese Tatsache unabänderlich wäre. Einspruch!
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- Margrit Stamm
erschienen in Schaffhauser Nachrichten, 19.11.2020
Die Elfjährige als Turntalent, der Zehnjährige mit dem Ziel, Profifussballer zu werden. Der Leistungssport beginnt immer früher. Woher kommt das? Warum müssen Kinder nicht nur gute Noten in der Schule haben, sondern auch im Sport brillieren? Weshalb ist der Wunsch so gross, aus einem durchschnittlichen Kind ein aussergewöhnliches Kind zu machen? Weil der Leistungssport zu einem Hype, zu einem Statussymbol, geworden ist und deshalb oft zu einem Treibhaus. Nicht wenige Vereine sprechen bereits bei kleinen Kindern von «Talenten», was bei ihnen selbst grosse Illusionen weckt und bei den Eltern die Überzeugung, ihr Sprössling sei etwas Besonderes.
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- Margrit Stamm
Wer von Mutterschaft spricht, tut es auch aufgrund der Tatsache, dass wir alle von einer Frau geboren worden sind. Weil der Körper der Frau fruchtbar ist, werden weibliche Wesen mit der Natur identifiziert. Ein Kind zu empfangen, auszutragen und es zu erziehen gelten als genuin weibliche Fähigkeiten. Dies bedeutet für viele, dass hier auch der Platz ist, an dem eine Mutter wirklich glänzen kann – und glänzen muss, weshalb sie als geeignetste und fähigste Fürsorgeperson in den ersten Lebensjahren die Kinder selbst betreuen soll.
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- Margrit Stamm
Besonders fleissig, gute Noten und beliebt – ein solches Kind ist der Traum mancher Lehrkräfte und Eltern, denn es hat scheinbar beste Aussichten auf eine besonders erfolgreiche Bildungslaufbahn. Unsere Hochleistungsgesellschaft bietet hierfür perfekte Voraussetzungen: Sie setzt auf gute Schulen und Lehrkräfte, einen leistungsstarken Nachwuchs, auf hohe Bildungsabschlüsse und auf verantwortungsbewusste Väter und Mütter, die ihre Kinder fördern. Es ist mehr denn je en vogue, die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit der Kinder zu betonen.
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Besonders fleissig, gute Noten und beliebt – ein solches Kind ist der Traum mancher Lehrkräfte und Eltern, denn es hat scheinbar beste Aussichten auf eine besonders erfolgreiche Bildungslaufbahn. Unsere Hochleistungsgesellschaft bietet hierfür perfekte Voraussetzungen: Sie setzt auf gute Schulen und Lehrkräfte, einen leistungsstarken Nachwuchs, auf hohe Bildungsabschlüsse und auf verantwortungsbewusste Väter und Mütter, die ihre Kinder fördern. Es ist mehr denn je en vogue, die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit der Kinder zu betonen.
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- Margrit Stamm
Die Diskussion darüber, was einen «guten Vater» ausmacht, ist ideologisch aufgeheizt. Dies spiegelt sich nun überdeutlich in der Diskussion um den zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub, über den wir am 27. September 2020 abstimmen. Schon im Jahr 2018 warf er hohe Wellen, als der Bundesrat die Volksinitiative für einen zwanzigtägigen Urlaub abgelehnt hatte mit dem Hinweis auf die Kosten, welche die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft beeinträchtigen würden. Am gleichen Tag bewilligte er eine Milliarde CHF für die Olympischen Winterspiele 2026.
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