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- Margrit Stamm
veröffentlicht in: Die Schweiz am Sonntag; Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz. 11./12.10.2026, 2.
Immer mehr junge Menschen nutzen künstliche Intelligenz nicht nur für Hausaufgaben oder Recherchen. Sie erzählen ihr von Liebeskummer, Ängsten, Einsamkeit und Zukunftssorgen. Die KI wird damit zu etwas Neuem: zu einem Gegenüber, das zuhört und antwortet.
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erschienen in: NZZ, 21.09.2026, 27
Prüfungen und Noten gehören zu den mächtigsten und meist überschätzten Instrumenten moderner Gesellschaften. Sie öffnen Türen, schliessen andere und hinterlassen Spuren, auch dann, wenn der Stoff bereits vergessen ist. Schon Kinder lernen: Können allein genügt nicht. Es muss zu einem festgelegten Zeitpunkt und in einer bestimmten Form bewiesen werden. Wer besteht, gilt als geeignet. Wer scheitert, zweifelt nicht selten an sich.
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erschienen in: Aargauer Zeitung /Die Nordwestschweiz, 03.09.2026, 4.
Die Schweiz wird international für ihre Mehrsprachigkeit bewundert. Das schmeichelt unserem Selbstverständnis. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. Ausgerechnet dort, wo Mehrsprachigkeit praktisch eingeübt werden soll – in der Volksschule –, zeigt sich diese Lücke deutlich. Der scherzhafte Satz «Sche parl Franzä» bringt das Dilemma auf den Punkt. Er steht sinnbildlich für einen Unterricht, der viel verspricht, aber oft wenig bewirkt. Kinder lernen zwar früh Französisch. Aber lernen sie die Sprache wirklich?
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 20.07.2026, 2.
Endlich Sommerferien. Ausschlafen, Berge, Strand, die Seele baumeln lassen. Und vielleicht: mehr Bauch wagen. Damit meine ich nicht, den Bauch ständig einzuziehen, um fitter oder jünger zu wirken. Sondern die Bereitschaft, dem eigenen Gespür etwas mehr Raum zu geben. Die Sommerpause ist dafür ein guter Moment.
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Das ist der erste Teil meiner NZZ Gastkolumne vom Samstag, 13.06.2026
Wir kennen sie alle: Kinder und Jugendliche, die einen Raum betreten und sofort wahrgenommen werden. Und jene, die zwar anwesend sind, aber nicht gemeint, wenn Zugehörigkeit entsteht. Man nennt sie Aussenseiter, Einzelgänger oder Sonderlinge. Sie sitzen im Klassenzimmer, stehen auf dem Pausenhof oder bewegen sich durch Gruppen von Gleichaltrigen – und doch verläuft zwischen ihnen und den anderen eine unsichtbare Linie.
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Das ist der zweite Teil meiner NZZ Gastkolumne vom Samstag, 13.06.2026
Im ersten Teil stand die Frage im Mittelpunkt, wie Aussenseiterpositionen entstehen. Dabei zeigte sich, dass Kinder und Jugendliche nicht allein aufgrund ihrer Persönlichkeit an den Rand geraten. Aussenseitertum entsteht vielmehr im Zusammenspiel individueller Besonderheiten und sozialer Reaktionen. Doch dieselbe Andersartigkeit, die unter ungünstigen Bedingungen zu Einsamkeit und Ausgrenzung führen kann, nimmt nicht immer diesen Verlauf. Doch nicht jede Distanz zur Gruppe ist Ausdruck von Isolation. Das ist der zweite Denkfehler. Er übersieht, dass beide Figuren aus derselben Erfahrung hervorgehen: der Erfahrung, anders zu sein. Ob daraus Isolation oder Eigenständigkeit entsteht, hängt von zahlreichen Faktoren ab, nicht zuletzt auch von der Möglichkeit, in der eigenen Andersartigkeit einen Sinn zu erkennen. Sie orientieren sich weniger an den Erwartungen ihrer Altersgruppe als an ihren eigenen Interessen, Überzeugungen oder Fragestellungen. Was von aussen als Rückzug erscheint, kann deshalb auch eine bewusste Form der Selbstverortung sein.
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erschienen in Aargauer Zeitung /Die Nordwestschweiz, 08.06.2026, 2.
Absentismus – oft auch "Schulschwänzen" genannt – wird mit Sorge diskutiert. Schulen berichten von steigenden Fehlzeiten, Jugendpsychiatrien von mehr Angststörungen und Erschöpfung. Obwohl repräsentative Studien fehlen, scheint ein Konsens entstanden zu sein: Schulabsentismus nimmt wegen des sinkenden psychischen Wohlbefindens junger Menschen zu. Diese Erklärung ist nicht falsch. Aber sie ist unvollständig. Sie lenkt den Blick ausschliesslich auf die Probleme junger Menschen.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 27.04.2026., 2.
Zuerst müssen wir das Selbstwertgefühl unserer neuen Schülerinnen und Schüler stärken – erst dann kann Lernen beginnen.» Diesen Satz höre ich von Realschullehrkräften immer wieder. Was zunächst wie eine Floskel klingt, ist in Wahrheit eine präzise Diagnose unseres Bildungssystems. Er zeigt, wie verletzlich viele Jugendliche beim Eintritt in die Realschule sind (in manchen Kantonen Sek C genannt) – und welches Gewicht schulische Selektion für die Entwicklung des Selbstbildes hat.
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erschienen in: Aargauer Zeitung /Die Nordwestschweiz, 18.03.2026, 2.
Wir kennen sie: die klugen Kinder, die schnellen Denkerinnen, die Menschen mit «Köpfchen». In der Schule gelten sie als Hoffnungsträger, im Beruf als Talente. Intelligenz verspricht Sicherheit: Wer klug ist, wird erfolgreich. So die verbreitete Annahme.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 02.02.2026, 2.
Ist die Jugend eine «kranke» Generation? Wer heute jungen Menschen zuhört oder durch soziale Medien scrollt, kann diesen Eindruck gewinnen. Traurig sein bedeutet für viele: Depression. Nervosität vor einer Präsentation gilt als soziale Angst. Seelische Zustände tragen medizinische Namen, TikTok ist voll von persönlichen Leidensgeschichten, mentale Krisen scheinen allgegenwärtig. Dennoch greift die Diagnose einer «kranken» Generation zu kurz. Wahrscheinlicher ist, dass junge Menschen offener über ihre psychische Gesundheit sprechen als jede Generation zuvor.
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Das ist der vollständige Beitrag zur Pädagogik des Scheiterns in der NZZ vom 24.01.2026
Niederlagen, Misserfolge, Versagen – oder wie auch immer Scheitern im Bildungssystem bezeichnet wird – wer will denn schon darüber reden? In Schule und Ausbildung sind Gewinner erwünscht, nicht Verlierer. In einem Vorstellungsgespräch fragt niemand, wo man überall gescheitert ist, sondern nach den persönlichen Erfolgen.
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Zusammenfassung meines Gastbeitrags in der NZZ vom 24.01.2026
Unser Bildungssystem ist auf Erfolg fixiert und verdrängt das Scheitern. Niederlagen gelten als individuelles Versagen und werden möglichst schnell aus dem pädagogischen Diskurs entfernt. Diese Haltung ist jedoch nicht nur realitätsfremd, sondern pädagogisch problematisch: Sie verhindert Lernen, Entwicklung und eine ehrliche Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Bildung.
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erschienen in: Aargauer Zeitung /Die Nordwestschweiz, 22.12.2025, 2.
Eine grosse pädagogische Errungenschaft der Moderne ist die Kindzentrierung. Auf paradoxe Weise wird sie von unserer kommerzialisierten Kultur erfüllt. Schon kleine Kinder nehmen längst nicht mehr nur die Rolle als passive Familienmitglieder ein. Sie gelten als Konsumenten mit enormer Kaufkraft, gerade in der Weihnachtszeit. Diese Entwicklung wird als Ökonomisierung der Kindheit bezeichnet. Sie ist Ausdruck einer gesellschaftlichen Rationalität: der Verwandlung vieler Lebensbereiche in wirtschaftliche Kategorien. In dieser Logik wird die Kindheit zum Projekt, zur Investition, zur Zielgruppe. Auch Schule und Elternhäuser sind Teil dieser Dynamik.
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erschienen i: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 10.11.2025, 2.
Küsschen und Umarmungen zu jeder Zeit, Süsses ist erlaubt, feste Zubettgehzeiten sind nicht so wichtig. Das ist eine manchmal verschwiegene «Hausregel» nicht weniger Grosseltern. Mütter und Väter sehen dies lange nicht immer so. Mindestens die Hälfte von ihnen berichtete in unserer Familienstudie von Meinungsverschiedenheiten. Doch davon später.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 29.09.2025, 2.
Mädchen sind in der Schule erfolgreicher als Knaben – darauf verweisen Studien seit Jahren. Doch seit der Pandemie zeichnet sich ein Wandel ab: Während Mädchen nach wie vor bessere Leistungen zeigen, nehmen ihre psychische Belastungen deutlich zu. Knaben wirken oft gelassener und lässiger, auch wenn hinter der vermeintlichen Coolness Risiken lauern.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 18.08.2025, 4.
Paare mit Kindern trennen sich zu schnell. Sie verhalten sich so, wie dies die Wegwerfgesellschaft vormacht. Was nicht mehr gefällt, wird entsorgt. Der Kick lässt nach, man lebt sich auseinander oder es gibt ständig Streit. Die Leidtragenden sind immer die Kinder. Davon liest man in vielen Medien.
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erschienen in: NZZ, 11.07.2025, 15.
Wer vor der Matura das Gymnasium verlässt, gilt als Dropout. Die Ursache dafür wird meist in der mangelnden Intelligenz gesehen. Solche jungen Menschen sollten eher eine Berufslehre machen oder eine Fachmittelschule besuchen – heisst es. Tatsache ist, dass etwa drei Viertel der Heranwachsenden das Gymnasium auf direktem Weg abschliessen, 17 Prozent repetieren ein- oder mehrmals, 14 Prozent treten vorzeitig aus.
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- Margrit Stamm
erschienen in Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 07.07.2025, 2.
Schule, Hausaufgaben, Förderunterricht, Sport, digitale Medien – der Alltag ist durchgetaktet. Kinder verbringen deshalb wenig Zeit draussen beim unbeschwerten Spielen. Die enorme Präsenz von Bildschirmen beschäftigt sie vor allem passiv, regt aber kaum zur Bewegung oder zum sozialen Austausch an.
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Sich über Langeweile beklagen? Das ist in unserer Optimierungsgesellschaft ein No-Go. Es gibt so viele Ratgeber zur Frage, wie man sich organisieren kann, damit einem die Decke nicht auf den Kopf fällt.
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Erschienen in: Die Aargauer Zeitung/ Nordwestschweiz, 14.04.2025
«Das Schlimmste für mich ist, wenn meine Eltern mit den Noten nicht zufrieden sind.» Das sagt ein 12jähriger Knabe im Dok-Film von Luzius Wespe «Mein Leben und der Notenschnitt». Es geht ums Bangen und Hoffen, um Träume und Tränen – und um Auswirkungen von Noten auf Kinder. Auch für Eltern sind Noten manchmal ein Damoklesschwert.
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