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Neues Jahr, neues Glück? Wer das Schicksal der guten Vorsätze kennt, weiss nur zu sehr, dass dies eine nicht so einfache Sache ist. Man sollte deshalb vorsichtiger mit den Vorsätzen umgehen und sich eher überlegen, was es mit dem Vorbildsein auf sich hat. Ein Vorbild taugt mehr als zig gute Vorsätze, die sich häufig nicht bewähren und selten lange halten. Schon der römische Philosoph Seneca hat gesagt, dass die Menschen den Augen mehr trauen als den Ohren und Vorbilder deshalb den Weg zum Ziel verkürzen.
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Wir alle kennen das Vorurteil, dass Mädchen einfach schlechter in Mathematik seien und dies einer biologischen Tatsache entspreche. Und es ist auch eine oft gestellte Journalistenfrage, ob das männliche Geschlecht deshalb klüger als das weibliche Geschlecht sei. Schliesslich sind Frauen an Universitäten und Fachhochschulen in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) deutlich unterrepräsentiert. Wenn man die Gründe nicht in der Biologie sucht, dann am ehesten in den gesellschaftlichen Stereotypen und in den Vorurteilen von Lehrkräften, Eltern und Berufsbildnern. Eine neue und repräsentative deutsche Studie* bringt nun ein bisher unbeachtetes Kriterium in die Diskussion: Knaben schreiben sich bereits in der 5. Klasse der Primarschule höhere Kompetenzen in Mathematik zu und zwar in einem Mass, das überhaupt nicht den Schulnoten entspricht. Bei den Mädchen ist es deutlich anders. Vielleicht liegt in diesem Sachverhalt eine Möglichkeit, die MINT-Förderung anders und vor allem neu auszurichten: dass Mädchen bereits in der Primarschule in ihrem Selbstvertrauen in die mathematischen Fähigkeiten bestärkt werden, von Lehrkräften und Eltern.
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Die Schweiz hat an den World Skills in Abu Dhabi 20 Medaillen gewonnen, davon 11 goldene. Hinter China rangiert sie in der Nationenwertung auf dem zweiten Platz. Zustande gekommen ist diese herausragende Leistung unter anderem auch wegen des Perfektionismusstrebens der Beteiligten in der Vorbereitung zum und der Durchführung während des Wettbewerbs.
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Meine Kolumne in der Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 06.11.2017, 16.
Es gibt Talente, die es in der Schule trotzdem schwer haben, vor allem dann, wenn sie männlich sind. Jeder kennt sie, lernbegierige Primarschüler, die Bestnoten schreiben. Manchmal sind sie hochbegabt, oft lediglich besonders gewissenhaft und ehrgeizig. In Mathematik oder Deutsch sind sie der Klasse voraus, und auch mit ihrem Wissen halten sie sich im Unterricht nicht zurück. Verhalten sie sich unauffällig, sind sie die Lieblinge der Lehrkräfte, und auch viele Eltern verknüpfen schon die Frühförderung mit dem Ziel, ein strebsames Kind zu erziehen, das einmal zur Leistungsspitze gehört.
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Kürzlich war ich wieder einmal zum Schwimmen im Hallenbad. Jedermann, der dorthin geht, auf einen Spielplatz oder in ein Einkaufszentrum, stellt fest, dass sich die Zeiten geändert haben.
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Eine traditionelle Erkenntnis der Forschung zu Selektionsverfahren in der beruflichen Grundbildung ist die, dass die Engpässe der vergangenen Jahre die Zugangschancen bestimmter Gruppen gefördert, anderer Gruppen hingegen behindert haben*. So liegt bis heute die Ausbildungsbeteiligung junger Ausländerinnen und Ausländer unter denjenigen der Einheimischen. Anerkannt ist dabei, dass es vor allem betriebliche Auswahlstrategien sind, welche sie benachteiligen. Darüber hinaus weisen insbesondere Schülerinnen und Schüler aus anforderungsniedrigen Schulstufen deutlich geringere Einmündungsquoten auf, weil sie sich häufiger in der Warteschlaufe befinden als Jugendliche höherer Schulniveaus. Gerade für Jugendliche aus einfachen (Migranten)-Familien trifft dies ausgesprochen oft zu.
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erschienen in: Aargauer Zeitung /Die Nordwestschweiz, 18.09.2017, 14.
Die Überalterung unserer Gesellschaft ist eine Tatsache. Unwörter wie Rentnerschwemme, Gruftis oder Altersheim Schweiz verweisen auf das schwierige Umfeld, in dem Altern heute stattfindet. Die Altersdebatte ist eine Angstdebatte, welche die Diskussion nahezu vollständig beherrscht. Dadurch ignoriert sie die mit dem Altern verbundenen Chancen.
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Unzweifelhaft ist Ängstlichkeit ein Teil von Elternschaft. Es gibt ein persönliches und soziales Gefühl von Verletzlichkeit, das mit der Schwangerschaft und dem Bewusstsein aufkommt, nun bald für ein vollkommen von einem selbst abhängiges Wesen verantwortlich zu sein. Dies war schon immer so.
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erschienen in: NZZ, Wenn Kinder versagen. Zu hohe elterliche Erwartungen. 11.08.2017, 9.
«Leider macht unser Sohn nichts Rechtes. Er hat sein Studium abgebrochen und will nun Koch werden.» Diese Sorge eines Kollegen zu meiner Frage nach dem Lebensweg seiner Kinder ist nachvollziehbar. Und zwar grundsätzlich, weil die OECD an der Förderung der akademischen Eliten festhält. Sie stempelt junge Menschen als Bildungsabsteiger ab, wenn sie trotz eines akademischen Familienhintergrundes «nur» eine Berufslehre absolvieren. Aber auch, weil Bildungsabsteiger in unserer akademisierten Zeit ein unangenehmes Thema sind. Der ausschliessliche Blick auf erfolgreiche Hochqualifizierte vernebelt die Tatsache, dass unsere auf Leistung getrimmte Gesellschaft ein beachtliches Arsenal an Bildungsabsteigern mit oft unglücklichen Lebenswegen und schwierigen Familiengeschichten produziert.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 17.07.2017, 16.
Frauen sind teamfähiger als Männer. Sie kommunizieren besser und sind weniger machtorientiert. Darüber ist sich die Wissenschaft mehrheitlich einig. Offenbar gilt dies nicht immer. In einer unserer Untersuchungen hatten mehr als 60 Prozent der Befragten die Aussage bejaht, Frauen würden oft in einem Konkurrenzkampf mit anderen Frauen stehen. Auch Nannys berichten, Mütter wären eifersüchtig auf sie, weil das Kind zu ihnen eine innige Beziehung habe.
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Der Mann will lieber 100% ins Büro als Teilzeit arbeiten. Ungefähr so stand dieser Satz kürzlich in der Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz. Der Artikel ist gut recherchiert und differenziert geschrieben. Trotzdem lässt sich die Hauptbotschaft, der Vater sei es, der sein Arbeitspensum nicht kürzen wolle, so nicht stehen lassen. Unsere Forschungsergebnisse aus der Franz- und Tarzan-Studie* sprechen eine etwas andere Sprache. In diesem Blog berichte ich, weshalb die Partnerin eine ganz wesentliche Rolle spielt, lasse aber die Rolle der Arbeitgeber berücksichtigt (siehe hierzu mein Blog «Dinosaurier Dads in Chefetagen» vom 30.04.2017).
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Das Gymnasium ist Schuld, dass der Berufsbildung die guten Lehrlinge fehlen. Diese Aussage hört man immer wieder, wenn es um den Lehrlingsmangel geht. Die Berufsbildung sieht sich als Verliererin. Aber ist das Gymnasium wirklich der Prügelknabe? Eher nicht, denn gute Lehrlinge fehlen der Berufsbildung nicht einfach deshalb, weil sie sich fürs Gymnasium entscheiden. Die Hauptursache liegt in den sinkenden Schülerzahlen, welche die Berufsbildung gegenwärtig besonders spürt. Denn nach wie vor wählen gleich viel oder etwas mehr Jugendliche das Gymnasium oder eine Vollzeitschule, weshalb der Berufsbildung nicht mehr so viele leistungsfähige junge Menschen zur Verfügung stehen.
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Paare erleben die Zeit in der Familie und am Arbeitsplatz zwar unterschiedlich, doch an beiden Orten dominiert eine Effizienzkultur, die früher nur für den beruflichen Bereich gegolten hat. Überall sollte man sich ständig zu neuen Leistungen antreiben: zu Hause die Quality Time nicht vergessen, am Arbeitsplatz das Total Quality-Management-System leben und in der raren Freizeit auch noch die Selbstoptimierung pflegen. Überall geht es um Qualität.
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Männer mit anspruchsvollen Karrieremöglichkeiten heissen High Potentials. Wer beliebig verfügbar und hochmotiviert ist, sich in der knapp bemessenen Freizeit im Fitnessstudio aufhält und nicht schnell nach Hause gehen muss, um Windeln zu wechseln, gilt immer noch als Laufbahnmodell und als Prototyp männlicher Berufsidentität. Dies zeigt sich auch in den Prinzipien des Total Quality Managements, welches in vielen Betrieben zu einer sognannt partizipativen Unternehmenskultur geführt hat. Partizipativ meint meistens, dass Mitarbeitende lernen sollen, wie man schnell und effizient Entscheidungen fällen, flexibler werden und mehr Arbeit in kürzerer Zeit erledigen kann.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 10.04.2017, 16.
Die knappe Zeit bedroht unser Wohlbefinden. Also muss man sie managen und in sie investieren. Dies alles ginge ja noch, wenn sie nur das Berufsleben, aber nicht auch die Familie betreffen würde. Doch permanente Erreichbarkeit, Homeoffice und Telearbeit lassen die beiden Lebenssysteme immer mehr miteinander verschmelzen. Das Zuhause ist nicht mehr ein Ort des Abschaltens, sondern zunehmend ein zweiter Arbeitsplatz, währendem die Firma zum neuen Daheim wird, wo die Arbeit wartet.
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In der Erziehung und Förderung des Nachwuchses stellt unsere Gesellschaft die Eltern unter einen enormen Vollkommenheitsdruck: Sie sollen das Kind als Persönlichkeit mit eigenständigen Bedürfnissen und Ansprüchen verstehen, ihm umfassende Liebe entgegen bringen, seine Bedürfnisse immer auf den ersten Platz setzen und das Kind nicht unnötig einschränken. In der Wissenschaft spricht man deshalb auch von der «Sentimentalisierung der Kindheit»*. Caroline Thompson nennt sie gar eine «sentimentale Revolution». Hinter diesem Phänomen steckt ein Paradigmawechsel, der Kindheit und Elternschaft in historisch einzigartiger Weise verherrlicht. War die Verherrlichung des Kindes im späten 19. und vor allem im 20.Jahrhundert noch auf eine kleine Gruppe nicht berufstätiger, bürgerlicher Mütter beschränkt gewesen, so trifft dies heute für weite Kreise der Gesellschaft zu und bildet die Grundlage einer modernen Definition von Elternschaft.
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erschienen im Mama-Blog des Tagesanzeigers am Dienstag, 14.03.2017 http://blog.tagesanzeiger.ch/mamablog/index.php/71363/listen-fuer-papa/
Wann gelten Frauen als gute Mütter? Nur dann, wenn sie diese Aufgabe intensiv ausüben. Ob berufstätig oder nicht – ihre Identität ist an das Tun als Mutter gebunden. Schickt der Vater die Tochter am Morgen ungekämmt zur Schule, dann gilt dies nicht als seine Unterlassung, sondern als die der Mutter. Frauen versuchen deshalb unentwegt, den gesellschaftlichen Ansprüchen zu genügen und übernehmen wie selbstverständlich die innerfamiliäre Hauptverantwortung. Hat der Partner Papa-Tag, hinterlassen sie ihm To-Do-Listen, was er wann und wie erledigen soll – als ob er Juniorpartner oder Babysitter wäre.
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Berufstätige Elternpaare haben eine enorme Arbeitsbelastung. Frauen und Männer berichten zu gleichen Anteilen von hohem Druck, von mehr Konflikten und von weniger Zweisamkeit. Vor allem die regelmässig wiederkehrenden zeitlichen Engpässe haben negative Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden. Multitasking gilt deshalb als Geheimrezept. Wer das kann, ist ein Modell. Wenn dem nur so einfach wäre!
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 06.02.2017, 16.
Wir sind Spitze! In keinem anderen Bereich hat die Schweiz in Wettbewerben so viele Medaillen gewonnen wie in der Berufsbildung. Und kürzlich war es wieder so weit: Unsere Delegation holte in Göteborg den Europameistertitel in der Nationenwertung. Was für eine Genugtuung für die Berufsbildung, welche mit Attraktivitätsproblemen und Schwierigkeiten zu kämpfen hat, gute Lehrlinge zu finden!
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 16.01.2017., 14.
Sind Vorschulkinder heute gescheiter als früher? Viele von ihnen können schon Sätzchen lesen, bis auf 100 zählen, Geige spielen oder sich auf Englisch unterhalten. Doch dahinter steckt nicht Klugheit, sondern eine intensivere Förderung. Frühförderung ist in. Die Vielfalt an Angeboten ist riesig, die Nachfrage auch.
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Vorbei sind die Zeiten, als Bildung wie bei den alten Römern und Griechen noch »schola« und »schole« hiess und als Zeit verlieren, Innehalten und Musse finden verstanden wurde. Dass sie heute vielfach mit einem Treibhaus gleichgesetzt wird, hat seinen Grund auch in der Forschung, in erster Linie in den Neurowissenschaften, der Psychologie und der Erziehungswissenschaft. Obwohl diese Wissenschaften unterschiedliche Schwerpunkte setzen, bauen sie auf einem gemeinsamen Grundverständnis auf:
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