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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 21.11.2016, 16.
Die Männer sind nicht das geworden, was sich die weibliche Gesellschaft von ihnen erhofft hat. Die neueste Sexismusdebatte zeigt, woran sie kranken: Sie begrapschen Frauen, fassen sie am Hintern, winken ihnen aufdringlich zu oder bezeichnen sie gar als Fickstück oder Schlampe. Kurz: Sie bedrohen Frauen in ihrer sexuellen Integrität. Ähnliches haben sie sich in der berühmten «Silvesternacht von Köln» geleistet. In dieser Nacht wurden Frauen haufenweise von fremden Männern sexuell belästigt, ohne dass ihnen andere Männer zu Hilfe geeilt wären. Seit dann gelten Männer auch als Weicheier. Ist die Männlichkeit somit bankrott? Sind Männer zu lüstern und zu feige, Frauen zu schützen?
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- Margrit Stamm
erschienen in: NZZ, 09.11., 10.
27 Prozent der Mütter sind nicht berufstätig, davon 50‘000 Frauen, die studiert haben. Und fast 30 Prozent entscheiden sich für ein kleines Teilzeitpensum von 50 Prozent und minimieren es noch, wenn die Kinder in die Schule kommen. Das geht nicht, findet die Wirtschaft. Gut ausgebildete Frauen sollten nicht am Herd, sondern im Beruf stehen. Und dies möglichst Vollzeit, damit ihr Humankapital nicht verloren geht.
Dies tönt nachvollziehbar, doch die Situation ist komplexer. Es gibt zwei gesellschaftliche Überzeugungen, welche Mütter mit kleinen Kindern hindern, sich in die Berufskarriere zu stürzen und durchzustarten. Die erste Vorstellung ist die der perfekten Mutter, die zweite, dass sie von Natur aus die geeignetste Fürsorgeperson ist und deshalb in den ersten Lebensjahren die Kinder selbst betreuen soll. In einer unserer Studien waren auch 66 Prozent der jungen Männer und Frauen dieser Meinung. Dass Frauen ihr Berufspotenzial nicht ausschöpfen und Männer trotz viel Gleichstellungsarbeit die Nase weiterhin vorne haben, liegt somit nicht einfach an den Frauen selbst, sondern ebenso an den vorherrschenden Normen.
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- Margrit Stamm
Ich bin eine passionierte Joggerin und nehme an Mittelstreckenläufen teil. Dabei fällt mir zunehmend ein Phänomen auf, das auch in den Medien vermehrt Aufmerksamkeit erhält: dass ehrgeizige Eltern ihre kleinen Knirpse an so genannte «Kids-» oder «Bambiniläufe» anmelden, sie genauestens in ihrem Laufen beobachten und sie dann regelrecht über die Ziellinie zerren. Viele Organisatoren solcher Veranstaltungen sagen, dass dies bei Kinderläufen schon fast zur Normalität gehöre.
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Im Kanton Zürich hat ein Sechstklässler im letzten Frühling die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium nicht bestanden, weil sein Aufsatz nur mit einer 2 benotet worden war. Die Eltern rekurrierten, zuerst bei der Bildungsdirektion, dann beim Verwaltungsgericht. Dieses hat nun entschieden, dass der Aufsatz neu beurteilt werden muss*.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 03.10. 2016, 16.
Junge Familien sind nicht zu beneiden, ältere Menschen aber auch nicht. Beiden Gruppen gemeinsam ist, dass ihr Zeitbudget nicht mehr stimmt. Während Senioren oft im Übermass Zeit haben, um den Ruhestand irgendwie sinnvoll zu gestalten, ist für berufstätige Väter und Mütter mit kleinen Kindern die knappe Zeit das brennendste Problem ihrer Doppelbelastung. Sie sind permanent auf der Überholspur: Nach einer langen Ausbildung mussten sie sich in kurzer Zeit für einen geeigneten Partner, fürs Kinderkriegen und für den guten Job entscheiden und auch den nächsten Karriereschritt planen – all dies in der Rushhour zwischen 30 und 45. Deshalb fordert die Familienpolitik für sie ausreichende und bezahlbare familienergänzende Betreuungsmöglichkeiten, mehr Ganztagesschulen, mehr Teilzeitstellen sowie Möglichkeiten für Telearbeit und Homeoffice. Anders die Pensionierten. Sie sollen ihre neu gewonnene Zeit sinnvoll gestalten, beispielsweise länger berufstätig bleiben, sich ehrenamtlich engagieren oder Angebote an der Volkshochschule, der Seniorenuniversität oder im Fitnesscenter nutzen, um geistig und körperlich agil zu bleiben und sozial nicht zu verkümmern.
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- Margrit Stamm
In letzter Zeit haben «Lehrabbrüche» eine hohe mediale Aufmerksamkeit erlangt. In grossen Lettern war jeweils zu lesen: «Was ist mit unseren Stiften los? Jeder vierte Lehrling schmeisst den Bettel hin» oder «Lehrlinge im Stress – Tausende brechen ab!». Solche Aussagen machen erstens Glauben, die Situation sei absolut dramatisch und zweitens, einzig die Jugendlichen seien es, welche die Ausbildung abbrechen. Auf diese Weise wird ein Bild provoziert, wonach Lehrlinge nicht mehr durchhaltefähig sind, schneller aufgeben und keine unangenehme Arbeit mehr verrichten wollen. Solche Zuschreibungen haben zwar einen wahren Kern, denn Jugendliche sind tatsächlich weniger widerstandsfähig als früher. Trotzdem lenken mediale Botschaften, die verallgemeinernd von «Lehrabbrechern» sprechen, den Blick in eine zu einseitige Richtung. Denn auch Betriebe können zu «Lehrabbrechern» werden, wenn sie schlechte Ausbildungsbedingungen bieten oder es ihnen nicht gelingt, schwierige Situationen mit den Lehrlingen zu meistern. Dazu kommt, dass lange nicht alle Vertragsauflösungen zugleich Ausbildungsabbrüche sind. Wir sollten deshalb mit dem Begriff viel sorgfältiger umgehen und ihn vom Begriff «Lehrvertragsauflösungen» unterscheiden:
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz, 15.08.2016, 16
Sie tun ihr Bestes und versuchen unentwegt, ihren Schülern nicht die Schwächen vorzuhalten, sondern ihnen aufzuzeigen, dass sie auch Stärken haben. Diese schwierige Aufgabe meistern Realschullehrkräfte jeden Tag. Am letzten Aarauer Maienzug habe ich mich nicht nur amüsiert, sondern auch in dieser Hinsicht viel gelernt, und zwar von einer Kollegin, die seit Jahren an einer Realschule tätig ist. Auch Rückmeldungen anderer Lehrkräfte auf meine Kolumnen bestätigen mich in meiner Überzeugung: Die Realschule ist keine Restschule, und sie darf es nicht werden!
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- Margrit Stamm
Seit fast zehn Jahren wird nun schon Kritik laut, dass Begabtenförderprogramme vor allem Kinder aus bildungsambitionierten Familien bedienen. Typischerweise handelt es sich um Schweizer Kinder aus der Mittel- und Oberschicht, um ausländische Kinder von Expats und vielleicht noch um Migrantenkinder aus gebildeten Familien. Kinder aus anderen Bevölkerungsschichten – Arbeiterkinder, benachteiligte Migrantenkinder oder Kinder aus «Risikofamilien» sind stark untervertreten. Und Gleiches gilt an den Hochschulen: Stipendiengelder bekommen vor allem Kinder aus gut situierten Akademikerfamilien, währendem solche aus einkommens- und bildungsschwachen Haushalten deutlich seltener solche erhalten*.
Was steckt hinter dieser grossen Ungerechtigkeit? Zunächst einmal die verbreiteten Vorurteile. Viele sind überzeugt, dass ein höherer Bildungsgrad der Eltern für eine bessere genetische Ausstattung verantwortlich sei. Wer in Zürich im Kreis 5 unterrichte, in Bern-Bethlehem oder im Tscharnergut, könne – leider – gar keine Begabtenförderung betreiben, weil es dort keine begabten Kinder geben könne. Wie falsch ist diese Überzeugung und wie nachhaltig ist sie! Es gibt in allen Kulturen und in jeder Bevölkerungsschicht begabte Kinder. Wenn man jedoch keine Begabungen erwartet, sucht man sie nicht und findet entsprechend auch keine.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 27.06.2016, 16.
Burnout oder Überforderung durch Stress ist eine Epidemie geworden. Immer mehr Menschen melden sich krank, weil sie sich ausgebrannt fühlen. Neuerdings sollen auch schon Kinder und Jugendliche darunter leiden, weil sie den Anforderungen von Schule und Freizeit nicht mehr gewachsen sind. Dabei ist alles andere als klar, was sich denn genau hinter dem schillernden Begriff Burnout verbirgt. Doch die Diagnose Burnout ist beliebt und salonfähig. Denn sie beinhaltet, jemand habe etwas Grosses geleistet und sei deswegen krank geworden, während bei einer Depression alle sofort denken, dieser Mensch könnte schon, wenn er nur wollte.
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Leistungsorientierung geniesst in unserer Gesellschaft eine hohe Wertschätzung. Am deutlichsten zeigt sich dies im Perfektionismus. Besonders en vogue ist er als «Best Practice» im Management. Wer als Manager oder Managerin besser als gut sein will, muss einen inneren Plan, eine Landkarte des Sollens und Müssens verinnerlicht haben. Anders geht es kaum. Derartiges Verhalten erinnert allerdings an die radikalste Variante des Perfektionismus, an Nietzsches Idee des Übermenschen. Dieser Übermensch ist das souveräne Individuum, das weiss, dass es seine persönlichen Ziele nur in einer seinem Wesen entsprechenden Lebensgestaltung verwirklichen kann. Vorbereitung und Exaktheit der Ausführung sind die Koordinaten. Wenn er ihnen brav folgt, kann gewiss sein, dass nichts schief gehen wird.
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Das Spiel ist der entscheidende Motor für die kindliche Entwicklung und deshalb die wichtigste Frühfördermassnahme. Beim Spielen lernen Kinder für das Leben. Je spielhaltiger das Lernen ist, desto nachhaltiger ist es für die Intelligenzentwicklung und das psychische Wohlbefinden. Körperliche Aktivitäten haben auch einen wichtigen Einfluss auf die physische Gesundheit. Kinder, die viel im Freien spielen, erkranken seltener an Asthma, Niesanfällen, Heuschnupfen oder Ekzemen. Dies ist das Hauptergebnis der internationalen Untersuchung Parsifal*.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Nordwestschweiz, 17.05.2016, 20.
Vor einiger Zeit war ich mit anderen Experten zu Gast in der Fernsehsendung «Club» zum Thema «Kinder bestrafen – aber wie?» Das Hauptthema war die Frage, ob die Körperstrafe abgeschafft werden sollte oder ob ein Klaps zur richtigen Zeit eben doch eine gute erzieherische Massnahme sei. Wir waren uns zwar einig, dass die körperliche Strafe in die unterste Schublade erzieherischer Massnahmen gehört, aber darüber hinaus blieb unsere Diskussion eher einseitig.
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Knaben geben in fast allen industrialisierten Ländern Anlass zur Sorge, weil sie schulisch hinter ihren intellektuellen Möglichkeiten zurückbleiben. Sie zeigen auch mehr Entwicklungsprobleme als Mädchen und neigen verstärkt zu exzentrischem Verhalten, welches von grosser Zurückhaltung bis zu Aggressivität reicht. Es überrascht deshalb nicht, dass die PISA-Studien, die wiederholt einen Anteil von ca. 15 Prozent vorwiegend männlicher Jugendlicher mit schlechten Fachleistungen nachwies, Knaben zur «Risikogruppe» erklärten. Heute gelten sie oft gar als die grossen Bildungsverlierer.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 03.04.2016, 16.
Die Polarisierung der Berufsbildung ist eigenartig: International wird sie als Exportschlager und Garant gegen Jugendarbeitslosigkeit hochgelobt, selbst jammert sie relativ oft: über die Lehrabbrüche, die fehlenden guten Lehrlinge oder über die vielen, welche nicht «ausbildungsreif» seien. Nicht selten sieht sie sich auch als Prügelknabe des Gymnasiums, das ihr die begabten Jugendlichen wegschnappen würde.
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Mütter mit kleinen Kindern sind mit ihren Karriere- und Erziehungsaspirationen oft auf Kollisionskurs. Sie finden sich gefangen in den Widersprüchen zwischen den Idealen der erfolgreichen berufstätigen Frau und der guten Mutter. Je mehr sie versuchen, ideale Mütter zu sein, desto geringer ist die Zeit, sich auf den Beruf zu konzentrieren. Und je mehr sie versuchen, den beruflichen Ansprüchen gerecht zu werden, desto weniger können sie sich ihrem Nachwuchs widmen. Der Feminismus meiner Generation hat ihnen zwar in Schule und Beruf Türen geöffnet, aber sie nicht darin unterstützt, eine Balance zu finden zwischen Karriere und Familie. Dies ist ein Grund, weshalb die Ideologie der guten Mutter heute wieder so wirksam ist.
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Viele Vorschulkinder können heute mehr als noch vor zwanzig Jahren. Beispielsweise schon Sätzchen lesen, bis auf 100 zählen, Geige spielen oder sich auf Englisch unterhalten. Dies nicht etwa deshalb, weil sie generell gescheiter geworden sind, sondern, weil sie früher und intensiver gefördert werden. Frühförderung ist in. Die Vielfalt an Angeboten ist riesig, die Nachfrage auch.
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- Margrit Stamm
Erschienen in: Aargauer Zeitung/Nordostschweiz, 15.02.2016, 18.
Frauenquoten, gleicher Lohn für Frau und Mann, Teilzeitarbeit auch für Väter, Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Der Weg zur Gleichberechtigung ist gepflastert mit Schlagworten. Die Marschrichtung scheint klar, der Weg aber noch lang. Trotzdem beginnt uns diese Strategie zu überfordern. Sichtbar wird dies schon bei jungen Paaren, die Eltern werden. Man gibt das Kind möglichst früh in die Krippe, damit Mütter gleichberechtigt mit den Vätern wieder arbeiten gehen können. Auch die Wirtschaft ist höchst interessiert, dass weniger gut ausgebildete Frauen am Herd stehen, dafür im Beruf. Und dies am besten Vollzeit, damit ihr Potenzial nicht verloren geht. Diejenigen Mütter jedoch, welche die Karriereleiter hochklettern wollen, müssen die männlichen Spielregeln einhalten. Sie schuften und schuften, um vorwärts zu kommen und nicht selten ignorieren sie auch ihre Bedürfnisse. Gleiches gilt für Väter. Etwa 90% arbeiten Vollzeit, um das Familieneinkommen zu sichern, sollen aber zu Hause gleich viel Familien- und Hausarbeit übernehmen wie die Partnerin. Keiner darf hinter dem anderen zurückstehen. Die Männer haben genug lange als das faule Geschlecht gegolten.
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- Margrit Stamm
Wer in der Schweiz die Chance bekommt, das Gymnasium zu besuchen, stammt wahrscheinlich aus einer gut situierten Familie. Arbeiterkinder oder solche aus einfachen Migrantenfamilien haben hingegen fünfmal schlechtere Chancen – wohlverstanden bei gleichen Schulleistungen. Zu diesem Schluss kommen verschiedene Studien*. Weshalb dem so ist, erklären sie mit den primären und sekundären Herkunftseffekten:
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- Margrit Stamm
erschienen in: NZZ, 08.01.2016, S.10, Teil 1.
Ich bin seit vielen Jahre Feministin. Meine Motivation war schon immer das Engagement gegen diskriminierende Geschlechterstrukturen unserer Gesellschaft. Heute bin ich verunsichert. Der Grund ist die Entwicklung der Gleichstellungspolitik und des jungen Feminismus. Die Gleichstellungseinrichtungen machen zwar professionelle Arbeit, aber sie haben zu wenig Rückhalt, insbesondere beim männlichen Geschlecht. Und der junge Feminismus, wie ihn die Ikone Laurie Penny postuliert, will eine Gleichstellung, die sich nicht mehr am Idealbild der Karrierefrau orientiert, sondern an Armen, Schwarzen, Hässlichen oder Dicken – und an Männern. Auch bei ihr ist das männliche Geschlecht nur mitgemeint.
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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung/ Die Nordwestschweiz, 28.12.2015, 18.
Weihnachten ist vorbei. Schön sind die Erinnerungen an die leuchtenden Kinderaugen beim Anblick der Päckli unter dem Christbaum. Durchschnittlich 10.5 Geschenke bekommt ein Kind, zwei von den Eltern, vier von den beiden Grosseltern, je eines von Gotte und Götti, Tanten und Onkeln und vielleicht auch eines vom neuen Freund der Grossmutter. Schliesslich liebt man ja den Nachwuchs, deshalb kauft man ihm auch so viel Spielzeug. Unterschreiben würde das natürlich kaum jemand, und doch scheinen viele Familien danach zu handeln.
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- Margrit Stamm
Die "Überalterung" ist eine Tatsache, welche uns enorm beschäftigt. Unwörter wie Rentnerschwemme, Grufties oder Altersheim Schweiz verweisen auf das schwierige Umfeld, in dem Altern heute stattfindet. Die Altersdebatte ist nach wie vor weitgehend eine Angstdebatte, auch wenn mediale Berichte von den jungen Alten anderes verheissen. Es erstaunt deshalb kaum, dass dieser Negativblick die Diskussion über das Altern beherrscht und die mit ihm verbundenen Chancen nahezu vollständig ignoriert. Das zeigt sich übrigens auch in vielen Altersleitbildern, die oft stark in dem verwurzelt bleiben, was ältere Menschen brauchen und viel zu wenig das fokussieren, was sie können oder in welchen Bereichen wir sie brauchen. würden.
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