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- Margrit Stamm
erschienen in: Aargauer Zeitung /Die Nordwestschweiz, 06.08.2020.
Der Lockdown war die Zeit der grossen Worte. Von Solidarität und Wir-Gefühl war die Rede, doch junge Menschen kamen mit der verordneten Isolation oft weit weniger gut klar. Erst das lang ersehnte «Zurück zur Normalität» brachte ihnen Freunde und Freiheit, aber auch Partynächte zurück. Als rücksichtslose Narzissten wurden sie beschimpft, die beim Feiern das Risiko eingehen, das Virus einzufangen und es zu verbreiten.
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- Margrit Stamm
erschienen in: NZZ, 20.07., 2020, 8.
Mutter sein und Kinder haben ist das grösste Glück, so will es die Gesellschaft. Doch eine Zukunft als Mutter macht manchen Frauen Angst. Und diejenigen, die sich dafür entscheiden, erfahren bald, dass die Erziehung von Kindern eine manchmal verschleissende 24/7-Aufgabe ist. Doch wer etwas Negatives über die eigene Mutterrolle oder die Kinder äussert, wird immer noch als Rabenmutter abgestempelt, weshalb die meisten Frauen ihre Sorgen oder Frustrationen lieber für sich behalten.
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«Eigentlich hat mir die Schnupperlehre als Restaurationsfachfrau gefallen. Aber ich werde den Beruf wegen des niedrigen Lohns und des schlechten Images nicht wählen.« (Schülerin, 16)
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 11.05.2020, 4.
«Digital Detox» – die Entgiftung vom ständigen Online sein – war bis vor kurzem besonders aktuell. Entziehungskuren und Detox-Ratgeber wurden zu einer nachgefragten Strategie, die scharenweise Menschen befolgt und sich in eine selbstgewählte und zeitlich befristete Isolation begeben haben. Das Ziel war ein optimiertes Leben in Selbstbestimmung und Ruhe vor E-Mail-Flut, Whatsapp und co. Über Nacht hat die Corona-Pandemie diesen Trend ins Gegenteil verkehrt. In der vom Bundesrat verordneten Isolation geht es darum, wer am besten online erreichbar ist und Homeoffice sowie die neue Rolle als Hilfslehrer der Kinder beim Homeschooling meistert. Und fürs Gemüt stehen Streamingdienste für Serien, Video Chats und virtuelle Apéros mit Freunden zur Verfügung.
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Erschienen im Blick Magazin, 10.05.2020., S. 7-8.
Im Sprint talentiert, für den Dauerlauf weniger – das ist meine Bilanz der Corona bedingten Schulschliessung. Den achtwöchigen Sprint haben Familien und Schulen viel besser gemeistert als jeder Zukunftsforscher dies prognostiziert hätte. Wäre daraus ein Dauerlauf geworden, hätte es wohl den einen oder anderen Kollaps gegeben.
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erschienen in Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz (unter dem Titel: "Dauerpräsenz der Kinder ist ein Stresstest für Mütter und Väter"), 01.04.2020
Das Leben ist ein Risiko und das Risiko ist Leben. Dies lehrt uns das Corona-Virus mit voller Wucht, auch wenn wir bisher von der Schweizer Vollkasko-Mentalität überzeugt waren. Schulen sind geschlossen, Kulturveranstaltungen und Fussball abgesagt. Es gilt, zu Hause zu bleiben, zu verzichten, Abstand zu halten, Hygienevorschriften zu befolgen. Die Happy Hour ist unterbrochen, zumindest für eine gewisse Zeit.
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Ich weiss, dieser Blog passt nicht so gut zur Corona-Krise. Trotzdem habe ich ihn geschrieben. Erstens, weil wir uns auch mit anderen Dingen und ganz grundsätzlich – und vielleicht gerade jetzt – mit unserem Lebensmodell befassen sollten. Zweitens, weil es mich interessieren würde, ob die Schulschliessungen für berufstätige Mütter andere Herausforderungen mit sich bringen als für Vollzeit-Mütter – ihre Partner immer miteinbezogen.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 10.02.2020, S. 4
Alles wollen wir sein – nur nicht normal. Das gilt auch für den Nachwuchs. Klärt die Psychologin die Eltern auf, ihr Kind sei nicht so speziell, sondern normal, sind viele enttäuscht. Verständlich, denn die Pädagogik plädiert schon lange für die Einzigartigkeit jedes Kindes. Doch der Zeitgeist hat auch eine Kehrseite: Inzwischen gibt es mehr therapierte als gesunde Kinder, auch wenn ständig von Potenzialentwicklung die Rede ist.
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Als Erwachsene hat man oftmals die eigenen Schulnoten vergessen, doch bleiben einzelne Erinnerungen an besondere Situationen. Als meine Mutter kurz vor meinem Übertritt in die Bezirksschule (die mir erst im zweiten Anlauf mit der mündlichen Prüfung gelang) mit dem Primarlehrer über meine Möglichkeiten sprach, sagte er etwa dies zu ihr: «Ihre Tochter gibt sich zwar Mühe, aber im sprachlichen Ausdruck wird sie es nie weit bringen. Das ist ja auch verständlich. Sie können ihr wahrscheinlich nicht das geben, was dafür nötig wäre.» (Meine Mutter war Serviertochter, mein Vater Bodenleger). Logischerweise waren meine Deutschleistungen auch in der Bezirksschule immer nur genügend – bis ich Jahre später einen Deutschlehrer als Mentor fand.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 28.12.,21.
Der Montag gilt als schlechtester Tag der Woche, der Sonntag als der schwierigste. Singles, geschiedene Väter oder alleinstehende Ältere bringt er zum Nachdenken, wie sie der einsam machenden Zeit davonlaufen könnten. Für Pärchen und Familien ist der Sonntag ein anderer Drahtseilakt. Weil man nichts muss, aber Vieles kann, soll dieser Tag effizient genutzt werden. Und damit sich keine Langeweile einstellt, nutzt man auch Angebote, die man beiseite lassen könnte.
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erschienen in: NZZ, 14.11.2019
Der Vaterschaftsurlaub war eine schwierige Geburt, Frauen sind in Führungspositionen nach wie vor rar, die Stimmen über «alte weisse Männer», die zum Synonym für Macht und Arroganz geworden sind, werden immer lauter. Und da ist noch das Gendersternchen, das der Sprache das Patriarchat austreiben und alle Leser*innen ansprechen will – solche Themen dominieren seit Monaten die öffentliche Diskussion. Besonders erfreulich ist der weibliche Erfolg bei den eidgenössischen Wahlen. Der Siegeszug der Frauen, nicht zuletzt dank Helvetia ruft, hat begonnen.
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Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 23.10.2019, 4.
Kennen Sie Ihren Intelligenzquotienten? Oder den Ihrer Kinder? Wenn nicht, sollten Sie dies vielleicht nachholen. Denn nur so können Sie abschätzen, ob Sie oder Ihr Nachwuchs zu den 70 Prozent der Bevölkerung gehören, die in der Nähe des Mittelwertes liegen (100 Punkte), zu den 15 Prozent der überdurchschnittlich Begabten oder sogar zu den zwei Prozent Hochbegabten mit einem IQ von 130 und mehr. Wenn dies zutrifft, sind Sie vielleicht ein bisschen stolz. Manche Eltern tun deshalb einiges für ein hochbegabtes Kind und rennen von einer Abklärung zu nächsten, bis die Diagnose endlich vorliegt. Man sollte ihnen dafür keine Vorwürfe machen, weil sie nach dem Besten für ihr Kind suchen. Doch blenden sie dabei oft andere wichtige Fähigkeiten aus.
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Menschen mit Handys gehören zum gewohnten Strassenbild. Schlafwandlerisch schiebt ein Papa den Kinderwagen und starrt dabei konzentriert aufs Display seines Smartphones. Die Haltung der Mama auf dem Spielplatz erinnert mit ihrem geneigten Kopf und den abgewinkelten Armen an eine ins Gebet vertiefte Nonne. Die abwesende Anwesenheit solcher Mütter und Väter hat aber nichts mit kontemplativer Versenkung zu tun, sondern mit angestrengter digitaler Kommunikation mit anderen. Doch was macht eigentlich das Kind in dieser Zeit oder: Was macht das Handy mit ihm? Und mit den Eltern?
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- Margrit Stamm
Am 9. September 2019 erscheint unser Buch "Arbeiterkinder und ihre Aufstiegsangst. Probleme und Chancen von jungen Menschen auf dem Weg nach oben". Verlag Barbara Budrich:
https://shop.budrich-academic.de/produkt/arbeiterkinder-und-ihre-aufstiegsangst/?v=1ee0bf89c5d1
Hier ein Auszug aus meiner Einleitung.
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erschienen in Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 09.08.2019, 4.
Helikopter-, Drohnen-, Problem-, Kampf- oder Nörgeleltern. Die Liste ist lang, wenn es um die Beschreibung des Ehrgeizes von Mamas und Papas geht, welche gegen Noten, Hausaufgaben, Selektionsentscheide oder Schulhauszuteilungen kämpfen. Oft agieren sie nicht allein, sondern nehmen Kinderärztin oder Anwalt gleich mit zum Elterngespräch. Das Hauptproblem ist ihre Sorge, das Kind könnte scheitern oder unglücklich werden. Und das wäre für viele ein persönlicher Misserfolg.
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Versagensängste und Selbstzweifel sind ein Tabuthema, vor allem bei erfolgreichen Personen. Eine neue Studie der Arizona University* bestätigt das, was wir schon seit längerer Zeit wissen: Auch jungen Studentinnen fehlt das Selbstbewusstsein, über das ihre männlichen Kommilitonen offenbar in deutlich höherem Ausmass verfügen. Im Durchschnitt stufen junge Frauen ihre Intelligenz niedriger ein, selbst wenn es zwischen den Befragten objektiv keinen Unterschied gibt. Dies ist insofern ein brisantes Ergebnis, weil es sich bei diesen Personen um Millenials handelt – definiert als Personen, die um die Jahrtausendwende geboren wurden – die wahrscheinlich eine modernere Erziehung genossen und fortschrittlichere Schulen als jede Generation zuvor besucht haben.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 11.06., 16.
Für die einen ist Digitalisierung ein Zauberwort, für die anderen ein Begriff, den sie nicht mehr hören können. Doch Digitalisierung ist die Ideologie des 21. Jahrhunderts, die moderne Form eines Naturereignisses, so mächtig und unausweichlich wie das Wetter. Sturm, Hitze und Lawinen kommen jedoch nicht zu uns, weil wir das so wollen, die digitalen Geräte aber schon. Wie anders lässt sich erklären, dass überall in der Welt ruhig gestellte Menschen gebannt auf ihre Smartphones starren? Nicht weil sie müssen, sondern weil die Geräte als nützlich gelten.
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- Margrit Stamm
erschienen in: NZZ, 13.06.2019., 10.
Die Erwartungen an die Auswirkungen des Frauenstreiks vom 14. Juni sind hoch. Das männerdominierte Parlament soll weiblicher, Lohngleichheit selbstverständlich und der Frauenanteil in Chefetagen sowie Verwaltungsräten höher werden. Ebenso dürfen Kinder zukünftig nicht mehr das Aus der Karriere bedeuten. Weil Geschlechterungleichheit seit Jahren die Marschrichtung der Gleichstellung von Männern und Frauen bestimmt, hoffen wir, dass die Kilometer, die noch zu gehen sind, nun endlich deutlich abnehmen.
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Lange Jahre habe ich mich mit Hochbegabung respektive überdurchschnittlicher Begabung befasst und dabei auch das Phänomen der Underachiever beleuchtet. Underachiever (Minderleister) sind Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die aufgrund ihrer kognitiven Kompetenzen deutlich weniger leisten als man von ihnen erwarten würde. Über dieses Phänomen wissen wir heute relativ viel, und es ist auch recht gut beforscht.
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erschienen in: Aargauer Zeitung / Die Nordwestschweiz, 23.04.2019, S. 16
Die Fünfjährige als Tennistalent, der Achtjährige mit dem Ziel, Profifussballer zu werden. Der Leistungssport beginnt immer früher. Woher kommt das? Warum müssen Kinder nicht nur in der Schule gute Noten haben, sondern auch in mindestens einer Sportart brillieren? Weshalb ist der Wunsch so gross, aus einem durchschnittlichen Kind ein aussergewöhnliches Kind zu machen?
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- Margrit Stamm
erschienen in: NZZ am Sonntag, 31.03.2019
«Ein Land mit Kindern ist ein Land mit Zukunft.» Mit diesem Satz hat kürzlich ein Politiker sein Plädoyer für eine bessere Familienpolitik beendet. Gleichentags las ich in einer Zeitung unter dem Titel «No Kids please!» einen Beitrag zum Trend von immer mehr Restaurants, Kinder auszusperren. Solche Gegensätze sind ein seltsamer Ausdruck unserer Gesellschaft, zunehmend Menschengruppen voneinander zu trennen, während alle Welt sich mit Begriffen wie Diversität oder Generationenhäusern schmückt.
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